Sonntag, 15. Juni 2008

König Otto und sein Harlekin

Gegenüber seinem König Otto gibt sich Rolf Töpperwien grundsätzlich devot. Er will weiter mitgenommen werden, will weiter als des Königs Hofberichterstatter wichtig sein. Doch der König dankt es ihm nicht.

Töpperwien gab in dem Interview nach Griechenlands Ausscheiden Otto Rehhagel bereits in den Nebensätzen der Fragen die medienkonformsten Antworten vor. Und doch scherte sich der Trainer einen feuchten Kehricht darum, ließ Rehhagel Töpperwien auflaufen.

Kritiker würden Rehhagel vorwerfen zu defensiv spielen zu lassen, sprach Töpperwien vorsichtig, dafür gäbe es aber bestimmt gute Gründe?! Doch Rehhagel dachte nicht daran, die fehlende Qualität seines Kaders als Hemmnis für eine offensive Spielweise anzuführen.
„Wir haben immer so gespielt, wie es richtig ist.“
... antwortete der König und begann zu erklären, dass andere Mannschaften auch ihr Heil in der Defensive suchen würden. Doch es war ihm unbequem, er fühlte sich bedrängt, glaubte, wieder die Initiative ergreifen zu müssen. Und tat dies mit einer Gegenfrage:
„Und im Übrigen: Wer bestimmt eigentlich, welches System man spielt? Wer bestimmt das?“
... und brachte sein Gegenüber ins schwitzen.
Töpperwien verharrte eine Sekunde.
Der Gegner!?
„Nein.“ sprach Rehhagel und erlöste ihn nicht, ließ ihn zappeln. Töpperwien wurde blass, seine Augen starrten Rehhagel mehr denn je an, glänzten, etwas stärker noch als sonst.
Die Mannschaft?!
Rehhagel ließ eine Sekunde verstreichen. Dann zeigte sich der König gnädig.
Diese letzte Antwort hätte er abstrafen können. Seine Mannschaft, etwas bestimmen, unter ihm? Aber er ließ es, wusste, dass jeder Fernsehzuschauer gespürt hat, dass Töpperwien noch mindestens weitere 24 falsche Antworten hätte folgen lassen, wenn Rehhagel es darauf ankommen gelassen hätte. Das reichte ihm.
„Niemand!“ ... antwortete er, „wir können doch jedes System spielen, dass ist doch nicht verboten. Oder?“
„Richtig“ bestätigte Töpperwien vorsichtig, „Also“ sagte Rehhagel, und Töpperwien ging in die Offensive, sagte, dass Rehhagel doch alle Stürmer eingesetzt hätte, dass er mehr doch gar nicht hätte tun können.
„Bitte“, sagte Rehhagel.

Immerhin noch einigermaßen gutgegangen, dachte sich Töpperwien wohl, und umschmeichelte Rehhagel mit Komplimenten, dass er bald 70 sei und dass er dennoch beweglicher als mancher seiner Spieler wäre; und der König lehnte sich beschwichtigt zurück und lächelte.

Und so genoss Rehhagel nach einem sportlich schweren Abend zumindest noch seinen Triumph über einen Vertreter der von ihm so verabscheuten Medien. Auch wenn es sich nur um seinen persönlichen embedded Journalist handelte.



[Foto: kenyee]

Kommentare & Antworten

Lucio
da Lucio findet imma den richtigen Zeitpunkt zum abspiela
ch (Gast) - 10. August, 21:47
Na also: noch ein...
...alter Bekannter ;)
berka - 1. August, 13:04
Alte Bekannte
Schön erklärt, danke. Noch ein paar bekannte Namen...
berka - 1. August, 09:12
Notlagen?
fällt mir jetzt erst auf: habt Ihr die im Stadion etwa...
berka - 30. Juli, 14:00
Ich weiss schon warum...
Ich weiss schon warum ich im Stadion keine Getränke...
Jan! (Gast) - 30. Juli, 13:01
siehste
deswegen wird's wahrscheinlich exportiert
berka - 30. Juli, 08:50
Wir warten gespannt
...auf den ersten, der Veltin's schreibt.
Trainer Baade (Gast) - 29. Juli, 23:27
@ Stefan: Ja, bei Miller’s...
@ Stefan: Ja, bei Miller’s würde ich auch nichts dazu...
Herr Wieland - 29. Juli, 17:12

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Der Spielmacher

Stets ein wunderbarer Quell der Wirrnis ist der Begriff des Spielmachers oder gar der Spielmacher-Position. Der Mann mit der legendären Nummer 10 war einst Halbstürmer und wurde später ins Mittelfeld zurückgezogen, wo er aber mehr wurde als ein zentraler Mittelfeldspieler. Dieser Spieler in der Mitte des Feldes, ob vorgeschoben oder zurückgezogen, sollte von seinen Mitspielern häufiger angespielt werden und dann genialisch das Angriffsspiel bedienen. Das wurde noch mit der Phantasie kurzgeschlossen, ein solchermaßen kreativer Mensch könne nicht auch noch schwer arbeiten, weshalb man ihm einen Helfer, den sogenannten Wasserträger, beistellen müsse. Einen solche Spielmacherposition gibt es heute nicht mehr, trotzdem ist die Suche nach dem Spielmacher nicht beendet. Im Zweifelsfall wird der Kopf einer Mannschaft, wie Zinedine Zidane beim französischen Weltmeister 1998, einfach zum Spielmacher erklärt.
Biermann/Fuchs

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