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Ich bin nicht unzufrieden, aber auch nicht zufrieden - denn ich bin nie zufrieden.
Fred Rutten

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Nah am Mann sein

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Der Held des Stammtischs

Der Mann ist von stattlicher Größe und Körperkraft. Er ist Weltmeister. Natürlich darf man den gut finden. Natürlich kann der was.

Lucimar da Silva Ferreira alias Lucio verkörpert Ehrgeiz und Kampfkraft. Im Hinspiel gegen Mailand zeigte er Spielintelligenz, fing so viele Pässe der Mailänder vor deren ankommen ab, dass es auffiel, spielte die Defensive sehr konzentriert. Aber dafür ist Lucio erst in zweiter Linie bekannt.

Lucio ist dafür berühmt, was die Webseite des FC Bayern "einen unnachahmlichen Drang zum Tor" nennt. Lucio ist der Held, wenn die Fans das Kämpfen fordern. Und Kämpfen wird immer dann gefordert, wenn es spielerisch nicht läuft, wenn das Spiel der Mannschaft unorganisiert ist, oder wenns mit schlechten Aussichten gen Spielschluss geht.

Dann schnappt sich Lucio den Ball und marschiert los. Mit Brachialgewalt walzt er über den Platz, an einen Fullback im American Football erinnernd, sucht die Schußchance. Oft erntet er Szenenapplaus, auf dem Weg zurück schaut er entschlossen-böse und häufig gestikuliert er dann wild, was wohl seine Mitspieler auffordern soll, ihm nachzueifern. Bei seinen Fans heisst es dann, dass er es immerhin versuchen würde. Allein es bringt nichts.

Wenn sich ein Fullback im Football aufmacht, die gegnerischen Abwehrreihen zu durchbrechen, geschieht das äusserst planvoll. Der Center, die Guards, Tackles, Ends - "die dicken Jungs in der Reihe" - unterstützen den Ballträger, jeder von ihnen Block einen Gegner, im Idealfall bildet sich eine Gasse, durch die der Fullback stossen kann.

Lucios Vorstösse haben noch nie den Anschein gemacht, als seien sie geplant. Seine Mitspieler bleiben mehr oder weniger staunend stehen, wissend, dass sie eh kein gescheites Abspiel zu erwarten haben. Für Louis van Gaal sind die Innenverteidiger die neuen Spielmacher im modernen Fußball. Sie eröffnen das Spiel, treiben es vor sich her und schliessen den Raum. Lucio eröffnet nichts.

Wenn er sich nicht schon zuvor den Ball zu weit vorgelegt hat, kommt er an den Punkt, an dem er nicht weiterkommt. Dann spielt er einen Sicherheitspass zum nächststehenden Mitspieler, ohne diesen freilich weiter zu unterstützen sondern sich wieder schleunigst in den Defensivverbund einzusortieren. Meist ist der Ball kurz danach verloren und die Aufteilung der Spieler auf dem Platz zeigt eine bemerkenswerte Unordnung. Für tolle Pässe in den freien Raum, für ein gutes Auge für den Mitspieler, das, was in der Position, in die er sich selbst so häufig bringt, seiner Mannschaft grandios helfen könnte, ist Lucio nicht berühmt.

In 84 Bundesligaspielen für den FC Bayern hat Lucio fünf Tore erzielt. Ein Freistoß, ein Kopfball nach einer Standardsituation; bleiben drei Tore aus dem Spiel heraus. Arg wenig Tor, gemessen am Drang. Besser er hätte nie ein Tor erzielt. So erinnert er mich immer an den anderen Ehrgeiz und Kampfkraft verkörpernden Bayernspieler:
Irgendwann mal hat Giovanne Elber einen langen Abschlag von Kahn als Torvorlage verwertet. Fortan schlug Kahn jahrelang überproportional viele lange Abschläge, die fast immer zum raschen Ballverlust führten.
Aber immerhin hat er ja versucht, das Spiel schnell zu machen ...

berühmt/berüchtigt

Gut beobachtet. Allerdings ist Lucio für seine Vorstöße nicht berühmt, sondern berüchtigt – zumindest in meiner Ecke des Stadions. Denn so gut er auf den ersten Metern ist und fast immer die ersten ein, zwei Dribblings gewinnt, so sicher versäumt er es, rechtzeitig abzuspielen. Hat schon seinen Grund, dass sein Drang nach vorne von Hitzfeld ein wenig eingebremst wurde. Und in der Rolle des Brechers hat zuletzt eher van Buyten reüssiert, gegen Milan – zumindest im Hinspiel – sogar recht erfolgreich (im Rückspiel hat DvB übrigens die letzten Minuten auch den Mittelstürmer gegeben).

Nur eins ist auch sicher: Die Bayern haben einige Probleme mit dem Kader, aber mit dem Innenverteidiger Lucio bestimmt nicht. Ich wäre froh, wenn die anderen Spieler auf ihrer jeweiligen Position so gut wären wie er.

Eben und trotzdem

"so sicher versäumt er es, rechtzeitig abzuspielen"
Eben.

Das mit dem Berühmten als Berüchtigtes erkennen, schaffen meist nur die eigenen Fans vor Ort. Auf Schalke will auch kein Mensch mehr No-Look-Pässe von Lincoln sehen, weil da, wo er nicht hingekuckt hat, schon zu oft Gegner gestanden haben ...

Ich denke schon, dass Lucio wesentlich dazu Beiträgt, dass die Abstimmung in der Münchener Innenverteidigung nicht funktioniert. Zum einen durch seine Ausritte, zum anderen durch die fehlende Kommunikation mit dem/den Mitspieler/n. Beide Gegentore im Rückspiel gegen Mailand waren perfekte Beispiele für fehlende Abstimmung. Und da tut es dann auch nichts zur Sache, ob in der 68. Zeitlupeneinstellung ein Abseits entlarvt wurde oder nicht, weil München nicht explizit auf Abseits gespielt hat, sondern sich der eine auf den anderen verlassen hat.

Aber grundsätzlich gebe ich Dir recht, München hat andere, noch wichtigere Baustellen.

Lucio

da Lucio findet imma den richtigen Zeitpunkt zum abspiela

Weil Twoday Wordpress-Pings ignoriert...

...weise ich mal so darauf hin, dass ich in meinem Blog Deine Beurteilung noch einmal aufgegriffen habe.

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Kommentare & Antworten

Lucio
da Lucio findet imma den richtigen Zeitpunkt zum abspiela
ch (Gast) - 10. August, 21:47
Na also: noch ein...
...alter Bekannter ;)
berka - 1. August, 13:04
Alte Bekannte
Schön erklärt, danke. Noch ein paar bekannte...
berka - 1. August, 09:12
Notlagen?
fällt mir jetzt erst auf: habt Ihr die im Stadion...
berka - 30. Juli, 14:00
Ich weiss schon warum...
Ich weiss schon warum ich im Stadion keine Getränke...
Jan! (Gast) - 30. Juli, 13:01
siehste
deswegen wird's wahrscheinlich exportiert
berka - 30. Juli, 08:50
Wir warten gespannt
...auf den ersten, der Veltin's schreibt.
Trainer Baade (Gast) - 29. Juli, 23:27
@ Stefan: Ja, bei Miller’s...
@ Stefan: Ja, bei Miller’s würde ich auch...
Herr Wieland - 29. Juli, 17:12

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Der Spielmacher

Stets ein wunderbarer Quell der Wirrnis ist der Begriff des Spielmachers oder gar der Spielmacher-Position. Der Mann mit der legendären Nummer 10 war einst Halbstürmer und wurde später ins Mittelfeld zurückgezogen, wo er aber mehr wurde als ein zentraler Mittelfeldspieler. Dieser Spieler in der Mitte des Feldes, ob vorgeschoben oder zurückgezogen, sollte von seinen Mitspielern häufiger angespielt werden und dann genialisch das Angriffsspiel bedienen. Das wurde noch mit der Phantasie kurzgeschlossen, ein solchermaßen kreativer Mensch könne nicht auch noch schwer arbeiten, weshalb man ihm einen Helfer, den sogenannten Wasserträger, beistellen müsse. Einen solche Spielmacherposition gibt es heute nicht mehr, trotzdem ist die Suche nach dem Spielmacher nicht beendet. Im Zweifelsfall wird der Kopf einer Mannschaft, wie Zinedine Zidane beim französischen Weltmeister 1998, einfach zum Spielmacher erklärt.
Biermann/Fuchs

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