Ich mag Tom Bayer

Für einen Fußballkommentatoren zu sein ist irgendwie nicht korrekt. Jeder von uns hört da genau hin, und jeder von denen quatscht irgendwann mal Stuss. Aber ich mag Tom Bayer.

Er ist der typische Radiomann. Scheiß Frisur, keine schönen Zähne. Aber eine angenehme Stimme. Eine schnörkellose, klare Sprache. Im Radio kann er Bilder entstehen lassen, wie es alle guten Radiomänner können*. Im Fernsehen braucht er das nicht, da lässt er das Spiel auch mal laufen. Nein, er schweigt nicht so lange wie Marcel Reif, der dieses Schweigen zu seinem Markenzeichen gemacht hat; aber Bayer kommentiert ruhig, unaufgeregt.

Keine ständigen Superlative wie beim Postkutschen-Fritz. Kein übertriebener Witz wie bei der TV-Version des Werner Hansch. Keine angestrengt herbeigeführte Dramatik eines Günter Koch, der jede Übertragung zu einem 99er-Revival machen möchte.

Marcel Reif analysiert während eines Spiels. Das ist besser, als dem tumben Rubenbauer zuhören zu müssen. Aber das ist auch anstrengend: Wenn man selbst so gar nicht der Meinung des Herrn Reif ist ...
Bayer bewertet einzelne Situationen, ist mit Bewertungen des großen Ganzen aber weit weniger flott dabei. Sein Kommentar begleitet das Bild, mehr nicht. Und das reicht mir.

Deshalb mag ich Tom Bayer.


[* : Zwar sind nicht alle Radiomänner der ARD gut, aber die guten sind alle bei der ARD. Wer in den RadioNRW-Lokalsendern mal Fußball hören wollte und das ewige „Ecke .. und .. Schuß .. knapp vorbei .. ohh, da war noch einer dran, nochmal Ecke“ ertragen musste, kennt auch die schlechten.]
sohnvonsohnvonpeter (Gast) schrieb am 25. Juli 2007, 11:59 :

Der Herr heißt imho übrigens Tom Bayer, wenn wir den selben meinen. Wurde bei Sat.1 auch schön eingeblendet ;)

Ja, das stimmt wohl. Irgendwie scheint mir die Buchstabenkombination nicht so leicht in die Tasten gekommen zu sein ... war auch schon spät ... dankeschön!

endlich mal'ne liebesoffenbarung

unreflektierte kommentatorenkritik gibt es in deutschen foren zuhauf, jeder traut sich, einen kommentator nicht zu mögen, unerträglich, tendenziös, pateiisch oder einfach nur doof zu finden - alternativen im positiven sinne: meistens fehlanzeige! alle doof, ausnahmslos, da ist es leichter, sich auf einen guten schiedsrichter zu einigen, aber nur ein klitzekleines bisschen leichter... kaum einer traut sich mal zu sagen: den finde ich aber richtig gut, weil... (ok, werner hansch ist so ein kleiner gemeinsamer nenner) ich muss zugeben: auch ich mag tom bayer, aber ich schätze an marcel reif auch, was ich an guten freunden schätze: man muss auch mal zusammen schweigen können. und reif weiß mittlerweile, in welchen phasen ich nix brauche außer stadionton... (stadionton kommt bei mir auch gut weg, stadionton kriegt bei mir auch gute noten)

Meint Ihr den Marcel Reif, der grundsätzlich für den FC Bayern kommentiert? Der gute Szenen des Gegners überhaupt nicht kommentiert, da ihm die Spucke weg bleibt, wenn dem Kahn mal ein Ei ins Netz gelegt wird? Da ist ein Tom Bayer um längen besser. Aber als Stadiongänger hatman eh immer wieder Probleme mit Kommentatoren, man hat sich wahrscheinlich zu sehr an den eigenen Kommentar im Kopf gewöhnt;-)
Tom Bayers Sohn (Gast) schrieb am 2. August 2007, 21:38 :

Hallo?

Hi mein Name ist oliver Bayer sag mal was fällt dir ein is doch egal wie mein Vater aussieht.Es geht nicht um schöhnheit sondern um das gelabber okay.

Tom Bayer ist sicherlich einer der angenehmeren Zeitgenossen. Mein Favorit ist allerdings Frank Buschmann. Immer für ein paar Klöpse gut, aber vor allem emotional und damit unterhaltsam.
Oft wird nur das angesammelte Statistik- und Informationswerk irgendwie in die Übertragung reingequetscht. Bei einem Fußballspiel geht es aber um mehr als reine Daten und eine Beschreibung des Spiels. Daher ist es unabdingbar Leidenschaft und auch Statements in einer Kommentierung zu transportieren, mit denen nicht jeder einverstanden sein muss.
Ich würde mich freuen, wenn mal ein Sender den Mut hätte 2 Kommentatoren auf ein Spiel loszulassen die eben nicht immer einer Meinung sind. Und da meine ich nicht den Bierhoff von der Torauslinie in seiner politisch korrekten Art.
Ein Werner Schneyder hat mit seiner Boxkampfkommentation vorgemacht wie eine fachlich fundierte und unterhaltsame Präsentation eine Sportart voran bringen kann und damit auch für Neueinsteiger und Gelegenheitsgucker interessant machen kann.

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Kommentare & Antworten

Lucio
da Lucio findet imma den richtigen Zeitpunkt zum abspiela
ch (Gast) - 10. August, 21:47
Na also: noch ein...
...alter Bekannter ;)
berka - 1. August, 13:04
Alte Bekannte
Schön erklärt, danke. Noch ein paar bekannte Namen...
berka - 1. August, 09:12
Notlagen?
fällt mir jetzt erst auf: habt Ihr die im Stadion etwa...
berka - 30. Juli, 14:00
Ich weiss schon warum...
Ich weiss schon warum ich im Stadion keine Getränke...
Jan! (Gast) - 30. Juli, 13:01
siehste
deswegen wird's wahrscheinlich exportiert
berka - 30. Juli, 08:50
Wir warten gespannt
...auf den ersten, der Veltin's schreibt.
Trainer Baade (Gast) - 29. Juli, 23:27
@ Stefan: Ja, bei Miller’s...
@ Stefan: Ja, bei Miller’s würde ich auch nichts dazu...
Herr Wieland - 29. Juli, 17:12

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Der Spielmacher

Stets ein wunderbarer Quell der Wirrnis ist der Begriff des Spielmachers oder gar der Spielmacher-Position. Der Mann mit der legendären Nummer 10 war einst Halbstürmer und wurde später ins Mittelfeld zurückgezogen, wo er aber mehr wurde als ein zentraler Mittelfeldspieler. Dieser Spieler in der Mitte des Feldes, ob vorgeschoben oder zurückgezogen, sollte von seinen Mitspielern häufiger angespielt werden und dann genialisch das Angriffsspiel bedienen. Das wurde noch mit der Phantasie kurzgeschlossen, ein solchermaßen kreativer Mensch könne nicht auch noch schwer arbeiten, weshalb man ihm einen Helfer, den sogenannten Wasserträger, beistellen müsse. Einen solche Spielmacherposition gibt es heute nicht mehr, trotzdem ist die Suche nach dem Spielmacher nicht beendet. Im Zweifelsfall wird der Kopf einer Mannschaft, wie Zinedine Zidane beim französischen Weltmeister 1998, einfach zum Spielmacher erklärt.
Biermann/Fuchs

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