Die Anderen

Sonntag, 20. April 2008

Für Nürnberg geht’s weiter um die Wurst

Gestern das Pokalfinale, es dürfte in Nürnberg Wehmut hervorgerufen haben. Noch immer steht ein (P) hinter Nürnberg in der Bundesligatabelle bei kicker.de, aber Nürnberg steigt vermutlich ab.

In der letzten Saison hatten Nürnberg und Schalke die besten Abwehrreihen. Beide Mannschaften spielten zeitweise richtig guten Fußball und beide waren erfolgreich. Beide Clubs begannen auch die Saison 07/08 gut und beide wurden allmählich schlechter. Doch während Schalke weiterhin punktete, hatte Nürnberg von Beginn an kein Glück, konnte zunächst trotz gutem Spiel nicht gewinnen, als sie schwächer wurden erst recht nicht mehr. In dieser Spielzeit hat Nürnberg in 20 Spieltagen so viele Gegentore kassiert wie in der ganzen letzten Saison.

Nürnberg hat heute gegen Wolfsburg 3 Punkte geholt, hat nun 26 Zähler. Der Sieg hält die Hoffnung wach, trotzdem wäre es schon bemerkenswert, wenn Nürnberg den Klassenerhalt noch schaffen würde: In den letzten 12 Jahren konnte nur einmal eine Mannschaft mit derart wenigen Punkten nach 29 Spieltagen die Klasse halten.

Überhaupt schafften es in den letzten 12 Jahren nur 6 der 36 an diesem Spieltag auf einem Abstiegsrang stehenden Mannschaften noch, den Abstieg zu verhindern. Drei Teams hatten zu dieser Zeit 30 Punkte, zwei 29 Punkte, alle bei nicht mehr als 3 Punkten Abstand zum rettenden 15 Tabellenplatz.
Die Ausnahme, geeignet um Nürnberg Mut zu machen, stellt die Mannschaft von Eintracht Frankfurt in der Saison 1998/1999 dar. Diese hatte am 29. Spieltag gerade 24 Punkte, stand auf dem 17 Platz und hatte 5 Punkte weniger als Werder Bremen auf Platz 15. Frankfurt holte noch 13 Punkte, rettete sich am vielleicht dramatischsten letzten Spieltag der Bundesligageschichte bei Punktgleichheit und gleichem Torverhältnis alleine durch die mehr geschossenen Tore gegenüber Platz 16 in den Klassenerhalt.

Sollte der Club den Klassenerhalt noch schaffen, wird es wohl wieder dramatisch werden müssen. An 1999 sollten man sich in Nürnberg erinnern können. Nürnberg stieg damals als der unglückliche Sechzehnte ab.


Samstag, 19. April 2008

Und noch’n Rekord?

Ich kann mich nicht daran erinnern, wann zuletzt eine Mannschaft in einem DFB-Pokalfinale als derart großer Außenseiter angesehen wurde. Der scheinbaren öffentlichen Meinung zu Folge geht es heute nur darum, wie hoch der FC Bayern gewinnen wird. Ohne Sprüche von Gesetzen oder Pferden zitieren zu wollen, beschleicht mich in solchen Situationen doch immer ein Gefühl des Zweifels.

Oliver Kahn kann heute zum sechsten mal den Pokal gewinnen und wäre damit der alleinige Rekordhalter. Nur eine Randnotiz in seiner Karriere. Einst Riesenarschloch, dann der Deutschland-Olli, zuletzt so was wie der Bayern-Öhi, Milde und Weisheiten versprühend. Der Torwart, der so häufig wie kein anderer von immensem Druck, von mentalen Anstrengungen sprach und dabei immer so komisch den Mund verzog, dass sich nie ein Journalist zu fragen traute wieso ausgerechnet er derart leide, wo doch sonst kein Torwart solcherlei Dinge zum Thema macht.
In 28 Tagen wird Oliver Kahn seine Karriere beenden und als einer der besten Torhüter aller Zeiten in die Fußballgeschichte eingehen. Vermutlich wird er heute zum vor-vorletzen Mal eine Trophäe zu Queens We are the Champions in die Höhe recken. Außer es müssen im nachhinein doch noch die Sprüche von Gesetzen oder Pferden zitiert werden. Was ich nicht hoffen will.



(Foto: Probek)

Donnerstag, 17. April 2008

Wenn nach 34 Spieltagen noch 3 x 2 folgen

... dann ist man in den Niederlanden.

Nach 34 Spieltagen ist bei uns die Saison vorbei. Bis Platz 6 spielt man international, je nach Platzierung des Pokalsiegers kann auch Platz 7 noch zur Teilnahme an einem internationalen Wettbewerb berechtigen. Recht simpel eigentlich.

In den Niederlanden geht’s da wilder zu.


(klicken vergrößert)


Auch die Eredivisie hat 18 Mannschaften und somit 34 Spieltage. Feierabend und somit Klarheit haben dann aber nur 4 von 18 Clubs: Der Meister darf feiern und ist natürlich für die Champions League qualifiziert. Der Club auf Platz 18 steigt ab und braucht sich nicht weiter quälen. Und die Vereine auf den Rängen 14 und 15 haben sich als zu schwach für Weiteres und zu stark für die zweite Liga – die übrigens Eerste Divisie genannt wird und mittlerweile den Namen einer Brauerei trägt – erwiesen, auch für sie ist Schluss. Für alle anderen geht’s nun noch mal richtig los!

Die Niederlande haben nach dem Champions League-Startplatz für den Meister nur noch einen Qualifikationsplatz zu vergeben. Des weiteren sind noch 2 UEFA-Cup-Plätze und ein Platz für die Intertoto-Runde zu vergeben, zusätzlich bekommt der Pokalsieger einen Platz im UEFA-Cup-Wettbewerb.

Chancen auf die Qualifikation zur Champions League haben die Clubs auf den Platzen 2 bis 5: Der Vizemeister spielt gegen den Fünften, Platz 3 spielt gegen 4. In der nächsten Runde treffen dann jeweils die Sieger und die Verlierer aufeinander. Der Sieger des Siegerduells kriegt die Chance auf die Champions League-Qualifikation. Der Verlierer des Siegerduells und der Sieger des Verliererduells spielen im UEFA-Cup. Der Verlierer des Verliererduells – den merken wir uns jetzt mal. Denn es geht ja noch weiter ...

Parallel spielen die Mannschaften von Platz 16 und 17 mit den 6 besten Clubs der Eerste Divisie um den Verbleib bzw. den Aufstieg in die Eeredivisie und von Clubs dazwischen treffen in den UEFA-Cup-Play-Offs Platz 6 und 9 sowie 7 und 8 aufeinander. Die Mannschaften der Plätze 10 bis 13 merken wir uns auch.
Für die Verlierer der Duelle 6 gegen 9 und 7 gegen 8 ist die Saison beendet. Die Sieger spielen wiederum gegeneinander und ermitteln das Team, das dann gegen den (oben gemerkten) Verlierer der Champions League-Play-Offs den letzten Startplatz im UEFA-Cup ausspielen darf. Der Verlierer bekommt eigentlich den Platz im Intertoto-Cup. Eigentlich ...

Denn wenn sich der Sieger des nationalen Pokalwettbewerbs noch sportlich für einen Champions League-Platz qualifizieren kann, ist ja wohlmöglich noch ein UEFA-Cup-Platz vakant. Und da in diesem Play-Off Modus eben nicht einfach der Nächste drankommen kann, spielen dann auch die (oben gemerkten) Teams der Plätze 10 bis 13 gegeneinander – ohne bei Play-Off beginn zu wissen, ob es für sie etwas zu gewinnen gibt, da der Pokalsieger ja selbst noch in den Play-Offs steht ...

Wenn sich der Pokalsieger für die Champions League bzw. für die Qualifikation dazu qualifiziert, erhält der unterlegene Pokalfinalist das an den Pokalwettbewerb gebundene UEFA-Cup-Ticket. Wenn der Pokalsieger zunächst als Mannschaft auf Platz 2-5 um die CL-Qualifikation spielt, aber als Verlierer der Champions League-Play-Offs gegen den Sieger der UEFA-Cup-Play-Offs (Plätze 6-9) antreten muss, behält er auf jeden Fall seinen UEFA-Cup-Platz und der Gegner erhält den freien UEFA-Cup Platz. In diesem Fall gibt es für die Clubs der Plätze 10 bis 13 den Intertoto-Cup-Platz zu gewinnen, wenn sich nämlich deren Play-Off-Sieger im Duell gegen den Verlierer der zweiten Runde der UEFA-Cup-Play-Offs durchsetzten kann ...

Falls der Pokalsieger nach der regulären Saison auf einem der Plätze 6 bis 9 steht spielt er keine Play-Offs, denn einen UEFA-Cup-Platz hat er ja schon. In diesem Fall rückt Platz 10 in die UEFA-Cup-Play-Offs und die Mannschaften der Plätze 11 bis 13 dürfen die Saisonabschlussfeier organisieren.

Theoretisch kann es also dem Vizemeister passieren, dass er sich nach zweieinhalb Wochen Play-Offs im Intertoto-Cup wiederfindet, während sich möglicherweise ein im Pokalfinale unterlegener Zweitligist im UEFA-Cup zeigen darf.

Die ganzen Begegnungen finden selbstverständlich in Hin- und Rückspielen statt.

Bekloppt, oder?!


(PS: Damit es nicht zu klar wird, hat der KNVB in das Schema noch einen kleinen Fehler eingebaut ... humorvoll und locker, diese Niederländer.)

Dienstag, 8. April 2008

Ausstopfen?

Natürlich freuen wir uns, das ist gar keine Frage, freuen wir uns, und die Reaktion war völlig richtig, einige sich normal verhaltende Fans in Nürnberg zu haben. Ja, das ist gar nicht zum Lachen …

Und ein Fan, ein normal verh.., ich muss mich ja auch.. auch Martin Bader hat sich natürlich hier intensiv mit sogenannten Experten austausch.., austauschen müssen.
Nun haben wir … ein normal verhaltender Fan steht im Block, geht niemals raus und wirft vielleicht ein bis zwei Bananen im Jahr!

Wir haben dann einen Unterschied zwischen dem normal sich verhaltenden Fan und dem Problemfan. Und es ist ganz klar, dass dieser Fan ein Problemfan ist und es ist im übrigen auch im Grunde genommen, durchaus ein gewisses Glück gewesen, der hat um 16 Uhr nachmittags praktisch die Bengalos geschmissen!
Und Gott sein Dank war vor dem Block … war … also jedenfalls ist niemand zu Schaden gekommen. Auf Grund von … es ist niemand zu Schaden gekommen. Stellen Sie sich mal vor, der war ja mittendrin, stellen Sie sich mal vor, die Leute wären hin, und wären praktisch jetzt dem Fan, praktisch begegnet. Was da hätte erledigt werden können!

Samstag, 29. März 2008

Haha

... dachte ich, FC Karsruhe, welch verwobene, verschrobene Verschwörungsgeschichte mich da wohl erwarten wird, dachte ich.
Aber nein.

Mit ‚Ich weiß ja nicht wo Ihr wart’ starten seine Beiträge, und mit der Behauptung, dass er selbst da gewesen wäre.
Aber nein, er war nicht da, der Blogger mit 2 bis 3 Beiträgen pro Monat. Wer da war weiß, dass es, bei aller Verhohnepipelung mit Kar und Ostern und so, ein Sport-Club war, gegen den Borussia spielte.

Kein Kommentator der erbarmen zeigt, niemand mit anderer Meinung. Kein Blogger. Kein Blog. Keiner, den ich Borusse beschimpfen würde.

Ein Schauspieler auf unbekanntem Terrain.

Montag, 24. März 2008

Ein Tor

Meine letzten Beiträge hoben darauf ab, dass man abseits von den nackten Zahlen auf die Stärken oder Schwächen einer Mannschaft schauen sollte. In Blog- oder Forumbeiträge von Fans des Meidericher Spielvereins ist Realismus bereits in Fatalismus umgeschlagen, wähnt man sich bereits abgestiegen, werden Fans, deren Hoffnung noch nicht ganz verebbt ist, als Traumtänzer abgestempelt.

Mit nur einem Tor mehr gegen Hannover, zum Beispiel durch Daun bei seiner Chance in der 80. Minute oder durch einen Windstoß beim Niculescu-Freistoß in der Nachspielzeit, hätte der MSV heute auf dem ersten Nichtabstiegsplatz gestanden. Immerhin.

Donnerstag, 20. März 2008

Polxsutawney Arthur

Vermutlich taucht diese Meldung nun am 27. März 2009 wieder auf. Das mag im ersten Moment unlogisch erscheinen, liegt aber am Schaltjahr.

Dienstag, 18. März 2008

Von 100 Berlinern geht einer regelmäßig zur Hertha

Abgerundet, zugegeben. Dennoch.

Man sagt, dass der Großteil der Zuschauer des FC Bayern aus dem Umland käme, dass die Münchener an sich den TSV 1860 bevorzugen würden. Ob es dazu eine empirische Erhebung gibt, weiß ich nicht. Den Bayern kanns auch egal sein, seitdem sie in der neuen Arena spielen, spielen sie vor ausverkauftem Haus.
Auch Hertha versucht, Fans aus dem Umland zu begeistern. Hertha hat 22 Partnerstädte. „Das Konzept ist einmalig in der Fußball-Bundesliga. Kein anderer Konkurrent hat etwas Derartiges aufzuweisen“ ist auf Herthas Internetpräsenz zu lesen. Dennoch bietet das Berliner Olympiastadion die größte freie Kapazität.

Gelsenkirchen ist nur etwa ein Zwölftel so groß wie Berlin und Schalke 04 hat sicherlich außerhalb der Stadt enorm viele Fans. Dennoch merkt man der Stadt ihren Verein an: Hier tragen die Kids S04-Trikots und rennen nicht mit Ribéry oder Diego-Jerseys durch die Gegend, hier sind die in den Fenstern hängenden Schalke-Fahnen an Spieltagen kaum zu zählen, hier gibt es zig Kneipen, deren Existenzen scheinbar ausschließlich auf Fanbetreuung aufgebaut sind.
Mit der Aktion ‚Aus Berlin. Für Berlin.’ zeigt Hertha BSC laut Pressemitteilung, „wie stark die Herthaner mit Berlin und die Berliner mit HERTHA BSC verbunden sind.“. Dennoch fühlen sich lediglich 1,27% der Berliner so verbunden mit der Hertha, als dass sie auch regelmäßig ins Stadion gehen.

Wieso welcher Club viele oder wenige Fans hat, ist nicht nur generell, sondern zumeist auch im Einzelnen schwer zu beantworten. Im Fall Berlin wird gerne auf das kulturelle Angebot der Stadt verwiesen, dass dem Fußball Konkurrenz mache. Aber Hamburg und München sind in dieser Kategorie auch nicht schlecht aufgestellt. Und auch das Ruhrgebiet als Ganzes hat kulturell einiges zu bieten – und versorgt zusätzlich noch 4 Bundesligisten. Außerdem würde ich Wetten, dass die Berliner Einschaltquoten bei wichtigen Länderspielen, trotz der zweifelsohne tollen Stadt, nicht signifikant schlechter sind, als im Rest der Republik.

Der VfL Wolfsburg macht durchaus einiges richtig, wenn man dessen miserables Image als lebloser Retortenclub bedenkt, er aber, gemessen an der Einwohnerzahl der Stadt, die zweitmeisten Zuschauer mobilisieren kann. Hertha BSC macht irgendwas verdammt falsch.

Dennoch darf die Hertha Hoffnung haben: Bereits der Zweite regelmäßige Zuschauer von 100 Berlinern ließe das Olympiastadion stets ausverkauft sein.

Aufgerundet, zugegeben. Dennoch.


[Datenquellen: weltfussball.de, kicker.de, wikipedia]

Mittwoch, 12. März 2008

Therapie für einen Gutmenschenclub-Fan

Max von Kick & Write ist Werder-Fan und leidet darunter, dass Werder Bremen allgemein als sympathischer Verein angesehen wird. Also schreibt er in seinem Beitrag Die Leiden des jungen Werderfans:
„Sogar Bayern und HSV Fans ziehen ihren Hut und finden es gut, was in Bremen passiert und wie dort Fußball gespielt wird. Und das find ich gar nicht gut! Ich bin u.a. Fußballfan um gehasst zu werden, ich möchte mit irrational geführten Dialogen meinen Verein aus der Hölle (im Kopf des gegenüber) in den Himmel (meine Welt) befördern. Fußballfandasein und seine viel erwähnte Leidenschaft gehen nicht Hand in Hand mit Konsens und der SV Werder Bremen ist leider zu einer Konsensmannschaft geworden. Ich beneide Schalker, dass ihnen von der gesamten Liga Hass entgegen gebracht wird. Welch Genugtuung es in so einem Fall sein muss, ins Champions League Viertelfinale einzuziehen. Bei Werder applaudiert jeder und freut sich mit, ich möchte aber meine Freude nicht mit Anhängern anderer Teams teilen müssen!“
Ich verstehe seinen Ansatz, kann das nachvollziehen und kann ihm helfen.
Gut, Hass kann ich ihm nicht bieten, aber immerhin:

Ich finde Werder Bremen richtig scheiße.

Mir ist die Sachlichkeit von Allofs und Schaaf, bei allem Respekt vor ihren sportlichen Erfolgen, viel zu langweilig. Mir geht das ewige Gejammer um den zu kleinen Markt auf den Sack. Und dass, wer Fußballzeitschriften liest, meinen müsste, nur Bremen weiß gute Transfers aufzuspüren, ist so falsch wie nervig. Außerdem verstehe ich nicht, wo Bremen das ganze Geld versteckt, dass sie mit ihrer X-ten CL-Teilnahme in Folge verdient haben.

18 Vereine wie Werder Bremen in der Bundesliga, zig Zeitungen könnten dicht machen und der TV-Vertrag hätte das Volumen des norwegischen.

Bitteschön.


Falls auch Du Max helfen willst: Kommentiere bei ihm oder auch hier, er bekommt es sicher mit.

Sonntag, 9. März 2008

Das Hymen des Fußballs bleibt unverletzt

Ja, bei der nächsten spielentscheidenden Fehlentscheidung gegen die Blauen werde ich mich natürlich ärgern. Und sicherlich gibt es viele Argumente für einen Chip-Ball oder eine Linienüberwachung: Alleine das Geoff Hursts Nicht-Tor mit dieser Technik als solches erkannt worden wäre, lässt meine linke Gehirnhälfte einen Nick-Reiz auslösen. Aber Trotzdem: Wenn ich in mich hineinfühle bin ich froh, dass das International Football Asscociation Board die Einführung technischer Neuerungen abgelehnt hat.

Ja, der Fußball ist modern geworden, und erfolgreich ist er auch. Um bei Schalke 04 an Karten zu kommen muss man eine Dauerkarte erben oder zumindest Mitglied sein. Um sein Bier zu bezahlen bedarf es einer Chipkarte. Sowohl das Vereinslied als auch das Steigerlied braucht man nicht mehr zu singen, das bloße hochhalten des Schals reicht, denn bei der Lautstärke der Musikeinspielung hört den Gesang eh nur der Nachbar. In der Halbzeit dreht ein mit Werbung beschrifteter Blimp seine Kreise und jeder Freistoß, jede Ecke wird von einer Partnerfirma am Videowürfel präsentiert.

Fans stricken Schals nicht mehr selbst sondern kaufen sich die immer 150 x 17 cm großen Wegwerfprodukte, von denen es zu jedem vermeintlich wichtigem Spiel neue Versionen gibt. Die Arenen sind entweder beheizt oder voll genug, dass es keine Parka mehr braucht um einen warmen Rücken zu haben, also spannt sich ein teuer gekauftes Trikot über die Bierplauze; mit dem eigenen Namen versehen, denn schließlich tragen die Spieler unser Trikot ... In jedem Stadion gibt es eine Gruppe Jugendliche, deren Ziel es ist 90 Minuten durchzusingen, die Plakate malen und hübsche Choreographien entwerfen; die sich interessanter Weise als Kämpfer gegen den modernen Fußball verstehen und die doch eigentlich genau diesem dienen, in dem sie den Logenbesuchern die Beschallung und den Fernsehkameras die Bilder liefern.

Der Blick aufs Feld bietet eine Flucht aus der ganzen modernen Scheiße.

Die auffälligste Änderung der letzten 50 Jahre ist die Schienbeinschonerpflicht, die zur Folge hatte, dass kein Spieler mehr mit herunterbammelnden Stützen über den Platz schlufft.

Ist es nicht großartig, dass die Tore noch so groß sind wie eh und je?
Ist nicht jedem klar, dass eine Abschaffung oder gravierende Änderung an der Abseitsregel das Spiel grundlegend verändern – ich würde meinen: zerstören – würde, und dass wir froh sein können, dass sich die Reformer in dieser Frage nie durchsetzen konnten?
Im Prinzip ist es doch romantisch, dass ein gefoulter Spieler auf den Boden fallen muss um einen Freistoß zu bekommen, und dass es einen Strafstoß, wie vor 100 Jahren, nur bei einem Foul im 16er gibt, wo doch die gefährliche Zone heutzutage viel größer ist.

Alle tollen High-Tech-Schuhe haben in der Geschichte des Fußballs keine Spuren hinterlassen und ich finde es großartig, dass das Geschehen auf dem Rasen – bei allem Mist, der um den Platz herum bereits passiert – so erhalten bleibt, wie es seit fast 100 Jahren bestand hat. Ich finde es gut, dass das Spiel der Amateure drei Straßen von hier das gleiche Spiel ist, wie das des Champions League Finale in Moskau. Und ich finde es gut, dass das Finale der WM in Südafrika zumindest insofern mit dem Finale 1956 1954 in Bern vergleichbar ist, da es sich um das gleiche Spiel unter den gleichen Regeln handelt.

Fußball eben. Kein Tennis und kein Cyberball.

Kommentare & Antworten

Lucio
da Lucio findet imma den richtigen Zeitpunkt zum abspiela
ch (Gast) - 10. August, 21:47
Na also: noch ein...
...alter Bekannter ;)
berka - 1. August, 13:04
Alte Bekannte
Schön erklärt, danke. Noch ein paar bekannte Namen...
berka - 1. August, 09:12
Notlagen?
fällt mir jetzt erst auf: habt Ihr die im Stadion etwa...
berka - 30. Juli, 14:00
Ich weiss schon warum...
Ich weiss schon warum ich im Stadion keine Getränke...
Jan! (Gast) - 30. Juli, 13:01
siehste
deswegen wird's wahrscheinlich exportiert
berka - 30. Juli, 08:50
Wir warten gespannt
...auf den ersten, der Veltin's schreibt.
Trainer Baade (Gast) - 29. Juli, 23:27
@ Stefan: Ja, bei Miller’s...
@ Stefan: Ja, bei Miller’s würde ich auch nichts dazu...
Herr Wieland - 29. Juli, 17:12

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Der Spielmacher

Stets ein wunderbarer Quell der Wirrnis ist der Begriff des Spielmachers oder gar der Spielmacher-Position. Der Mann mit der legendären Nummer 10 war einst Halbstürmer und wurde später ins Mittelfeld zurückgezogen, wo er aber mehr wurde als ein zentraler Mittelfeldspieler. Dieser Spieler in der Mitte des Feldes, ob vorgeschoben oder zurückgezogen, sollte von seinen Mitspielern häufiger angespielt werden und dann genialisch das Angriffsspiel bedienen. Das wurde noch mit der Phantasie kurzgeschlossen, ein solchermaßen kreativer Mensch könne nicht auch noch schwer arbeiten, weshalb man ihm einen Helfer, den sogenannten Wasserträger, beistellen müsse. Einen solche Spielmacherposition gibt es heute nicht mehr, trotzdem ist die Suche nach dem Spielmacher nicht beendet. Im Zweifelsfall wird der Kopf einer Mannschaft, wie Zinedine Zidane beim französischen Weltmeister 1998, einfach zum Spielmacher erklärt.
Biermann/Fuchs

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