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Olympia - ein Problem ohne Sinn und Verstand

Am 8. August beginnen die Olympischen Sommerspiele in Peking, bereits zwei Tage zuvor das olympische Fußballturnier. 16 Herren- und 12 Damen-Mannschaften spielen den Wettbewerb um die Goldmedaille unter dem Dach des IOC aus.

Qualifiziert wurde sich beispielsweise bei der U-21 Europameisterschaft oder bei der U-20 Südamerikameisterschaft.

Wo der Irrsinn schon beginnt. Warum nämlich eine Mannschaft teilnehmen darf, die in ihrer Zusammensetzung bzw Altersstruktur wenig mit der qualifizierten Mannschaft zu tun hat, das ist mit gesundem Menschenverstand nicht zu erklären. Zugelassen sind nämlich nur Mannschaften U-23, inklusive drei Spieler älteren Semesters.

In den letzten Wochen traten vermehrt Probleme zu Tage, die auch mehrere Bundesligavereine betreffen. Veranstalter der Spiele ist das IOC.
Abstellungspflicht für Nationalspieler jeglichen (!) Alters gilt aber nur für Wettbewerbs- oder Freundschaftsspiele, die unter dem Dach der FIFA und nach dem geltenden Rahmenterminkalender der FIFA angezeigt sind.
Dort ist offiziell jedoch nur vom Frauenfußballturnier die Rede. Das Männerturnier, beginnend am 7. August ist nicht benannt.

Nun hat die FIFA, wohl erzwungen durch die Freigabeverweigerung so mancher Vereine, letzte Woche Freitag eine angeblich verbindliche Erklärung entsandt, die rechtlich in eine Tonne zu treten ist.

Darin heißt es:
"alle Spieler, die an der Vor- und Endrunde teilnehmen, am oder nach dem 1. Januar 1985 geboren sein müssen. Für die Endrunde dürfen zusätzlich drei Spieler, die dieses Alterskriterium nicht erfüllen, in die offizielle Spielerliste aufgenommen werden."

Okay, so schlau waren wir alle schon, es wird trotzdem darauf verwiesen, das es sich um offizielles FIFA-Recht handelt. Jetzt aber kommt das erste aber:

Gemäß dem Regelwerk der FIFA ist die Freigabe für Spieler über 23 Jahren nicht verpflichtend.

Spieler wie Berlins Pantelic, der in den letzten Tagen seine wiedererwachte Liebe (oder schlief sie seit Milosevics Abdankung nicht?) für Serbien kundtat und der auf die reine Solidarität Herthas hoffen muss, fallen in diese Regelung. Oder ein Ronaldinho, der offenkundig zu Olympia möchte.

Der eigentliche Streitpunkt aber ist die Abstellung der U-23 Spieler wie Rafinha (Schalke 04), Diego (Werder) oder Breno (Bayern). Und dazu heißt es ordentlich und rechtlich nichtssagend:

Die Freigabe für Spieler unter 23 Jahren steht hingegen außer Zweifel. Diese ist gemäß der oben genannten offiziellen Erklärung verpflichtend: "Die Freigabe von Spielern unter 23 Jahren wird seit 1992 von den Vereinen akzeptiert, daher muss das auch diesmal gelten."

Wie bitte? Die alles reglementierende FIFA, der Verband, der beispielsweise sein Werberechte derartig schützt, dass das AOL von der HSH-Nordbank-Arena während der WM verschwindet, dieser alles reglementierende, korrupte Verband beruft sich auf ein einfaches "das war schon immer so"?

Die Androhung, sinnigerweise von IOC-Präsident Rogge (was hat der in diesem Fall eigentlich zu sagen?), dass bei Nichteinhaltung dieser nicht existierenden Regel die Spieler gesperrt werden, sorgt für solche Aussagen:

Klaus Allofs:

"Wenn sich die Sachlage in so eine Richtung verändern würde, wäre es eine neue Situation, die wir akzeptieren würden", kündigte Allofs daraufhin an.

Dabei gibt es keine neue Sachlage und in der Kürze der Zeit wüsste ich auch nicht, wie es zu einer solchen kommen sollte.
Eine absurde Veranstaltung. Offenbar sind sowohl IOC, als auch FIFA von der Tatsache der Olympischen Spiele 2008 überrascht worden.
Den Bundesligavereinen vorzuwerfen, daß sie ihre Spieler nicht abstellen, funktioniert nicht. Denn eine verpflichtende Regel existiert nicht.
Das sich die Spieler, allen voran Diego und sein Vater (wobei das auch nix neues ist) sowie Rafinha, verhalten wie im Kindergarten, steht wiederum auf einem anderen Blatt.

Laut einer dpa Meldung von 21.40 Uhr (die im Moment noch bei ftd.de nachzulesen ist) hat Wolfgang Niersbach der SportBild erzählt, dass der FIFA-Generalsekretär Jerome Valcke ihm gegenüber bestätigt hätte, dass ‚keine Verpflichtung besteht, Spieler abzustellen, egal ob unter oder über 23 Jahre’.

Außerdem soll die DFL ihrerseits angeblich prüfen lassen ob es rechtlich möglich ist, Spieler für das olympische Turnier sperren zu lassen, wenn Spieler ohne Zustimmung des Clubs nach Peking reisen.

Der sid lässt Manager Müller zu Wort kommen:
Der Schalke-Manager ist von der scheinbar endlosen Diskussion reichlich genervt. Die FIFA habe in ihren eigenen Statuten einen `totalen Widerspruch. Bei Länderspielen werden Spieler gesperrt, wenn sie aus persönlichen Gründen absagen. Bei Olympia aber soll der freiwillige Verzicht nun die einzige Möglichkeit sein, nicht gesperrt zu werden. Das ist paradox. Fest steht, dass wir Rafinha nicht freigeben werden´, sagt Müller.
Wenn ich auf den von Dir verlinkten FIFA-Rahmenterminplan schaue fällt mir ein: Vielleicht will Rafinha dann ja Anfang Oktober zur Futsal-WM. Als Revanche.

Rafinhas Wiederverkaufswert

Bei der ganzen Diskussion um Rafinhas Olympia-Willen (und ich finde selbst, dass Schalke ihn nicht abstellen sollte, kann aber irgendwie auch verstehen, dass man als junger Twen ganz gerne einmal ein paar Tage Olympialuft schnuppernund den niedlichen Beachvolleyballerinnen aus Wasweißichwo-Land ein Eis ausgeben möchte) fällt mir ein Aspekt ein, der bislang nicht beachtet wurde: Rafinhas Wiederverkaufswert.

Fest steht doch, dass er seine Karriere auf Schalke nicht beenden wird. In einem, zwei, allerspätestens in drei Jahren ist er weg. Derzeit ist die Zaubermaus extrem beliebt bei den internationalen Vereinen. Von einem Transferwert weit jenseits der 10 Millionen wird gemunkel.

Ich habe irgendwo mal gehört, dass Fußballspieler nominell nach dem Kaffee der wichtigste Exportartikel Brasiliens sind. Kann sein, dass das etwas überspitzt formuliert war, aber Fakt ist, dass einige hundert Brasilianer in der ganzen Welt vor den Ball treten.

Die Brasilianische Nationalmannschaft besteht aus knapp 50 Spielern. Das liegt daran, weil die brasilianischen Nationaltrainer in der komfortablen Situation sind, eine A, B und sogar eine C-Nationalmannschaft aufbieten zu können. Die A-Mannschaft spielt bei der WM, die B-Mannschaft z.B. bei der Südamerika-Meisterschaft und die C-Mannschaft wird auf Freundschaftsspiel-Reise geschickt, um bspw. in Ljubiljana eine Antrittsgsgage von 1 Mio Euro für den Verband einzuspielen. Jetzt kommt im Prinzip sogar noch eine D-Mannschaft hinzu - der Olympiakader.

Mit Marcelo Bordon spielt auf Schalke ein Abwehrspieler, der eigentlich zwingend für die Selecao spielen müsste. Tut er aber nicht - Brasilien kann auf ihn verzichten. Ebenso konnte Brasilien auf Ailton verzichten, als der noch keine Wechselhure war und in Bremen vier Jahre lang auf höchstem internationalen Niveau spielte. Selbst Diego, der in Deutschland ja als der Heilsbringer des Fußballs gefeiert wird, spielt derzeit so gut wie keine Rolle in der Nationalmannschaft, durfte ebenso wie Rafinha bislang nur mal kurz in die B-, vielleicht war es auch die C-Mannschaft schnuppern.

So, extram lange Vorrede, jetzt zum Punkt. Warum kostete ein Ronaldinho vor zwei, drei Jahren noch zig Fantastillionen? Weil er ein guter Fußballer war - OK. Aber vor allem auch, weil er in der A-Mannschaft spielte. Wer Bestandteil der A-Mannschaft ist, erreicht (aus dem Bauch heraus geschätzt) locker mal 5 Millionen Euro mehr Marktwert. Ein Bordon als brasilianischer A-Spieler hätte vor vier Jahren Minimum 15 Mio's gekostet (das Perfekte Beispiel für meine These ist der fußballerisch in meinen Augen recht limitierte Roberto Carlos, der fast über ein Jahrzehnt hinweg als der beste Abwehrspieler der Welt galt, nur weil er einmal einen angeschnitteten Freistoß getreten hat).

Worauf ich hinaus will: Wenn Müller Rafinha jetzt gestattet, zu Olympia zu fahren, macht Rafinha einen riesigen Schritt in Richtung A-Mannschaft. Schließlich hat Nationaltrainer Dunga die Olympiateilnahme zur Chefsache gemacht. Bleibt Rafinha aber zu Hause, droht er - wenn schon nicht in Ungnade zu fallen - aus den Augen verloren zu werden. Dann ist er einer von einigen hundert sehr guten Brasilianern, die im Ausland ihr Geld verdienen, aber eben keine A-Spieler sind, der beim Transfer eine Rekordablöse garantieren.

Und zurück zum Anfang meiner spekulativen Ausführung: Rafinha wechselt in Bälde so oder so. Da wäre es mir lieber, er wechselt für 20 Millionen als für "nur" 5.

berka schrieb am 21. Juli 2008, 11:22 :

Ungeschickt...

...verhält sich m. E. der Verein in dieser Sache. Laut WAZ von heute morgen haben weder Müller noch Rutten mit Rafinha über das Thema Olympia gesprochen. Auch wenn die Sachlage dem Verein möglicherweise recht gibt zeugt das für mich nicht gerade von Einfühlungsvermögen.

M. E. hätten wir mehr von einem motivierten Spieler, dem der Verein ein solches Erlebnis wie es eine Olympiade ermöglicht hat, mehr als von einem Spieler der sich vom Verein schlecht behandelt fühlt.

Der Aspekt 'Wertsteigerung', den Matthias anspricht hatte ich bisher nicht beachtet, stimme aber zu. Dagegen spricht natürlich die Verletzungsgefahr bei solchen Einsätzen.

Von wegen Wertschätzung o.ä.

Es sei an dieser Stelle mal daran erinnert, dass Schalke Rafinha ursprünglich nach China ziehen lassen wollte. Damals wurde das auch als Anreiz zu einem Verbleib auf Schalke verkauft, für einen Spieler, für den angeblich recht lukrative Angebote vorlagen.

Schalke änderte seine Meinung, als Rafinha Mittelpunkt einer unsäglichen, in den Boulevardblättern breitgetretenen Geburtstagsparty war, was den Schalker Verantwortlichen zu Folge dem erlaubten Benehmen eines Schalker Profis entgegenstand (und –steht, vermutlich). Ebenfalls zu diesem Zeitpunkt wurde Schalke aber wohl auch klar, dass der Club recht früh eine Qualifikationsrunde zur CL zu spielen hat …

Ich denke, dass Rafinha handelt wie es Roger Wittmann ihm sagt.

Er versucht für Brasilien zu spielen und seinen Marktwert zu steigern, wie Matthias schon schrieb. Und er nimmt dabei billigend in Kauf, dass er mit seinem Verhalten auf Schalke seinen Rausschmiss provoziert. Dann Wechselt er halt – er und Wittmann verdienen dabei viel Geld, und auch der Wechsel an sich, zu einem ordentlichen Club in Spanien oder England, kann Rafinha nur recht sein.

Manager Müller sollte sich jedenfalls schleunigst um einen Außenverteidiger bemühen. Aber das tut er ja vielleicht schon, siehe hier.

Roger Wittmann sagte schon vor Tagen es zählt nur was der Arbeitgeber sagt.

Das habe ich auch gelesen, ja. Aber ehrlich gesagt: Ich habe schon immer Probleme zu glauben, was Andreas Müller in Interviews so vom Stapel lässt. Bei Spielervermittlern fällt es mir noch ungleich schwerer.

Zeit

Was ich weiterhin unglaublich finde, ist die Tatsache, daß man es bis zur Eskalation bringt. Egal von welcher Seite, aber es ist mal wieder ein Problem, daß viel früher hätte gelöst werden müssen.
Siehe hier.

Stichwort Wertsteigerung:
Mag sein, das man an Rafinhas Stelle über die Olympiaauswahl eher zur A-Mannschaft kommt. Aber die olympischen Spiele bzw das Fußballturnier der Olympischen Spiele ist nicht wirklich hochklassig und steht nicht wirklich imFokus der breiten europäischen Fußballspitze. Und wenn wir ehrlich sind, so bekommt man heutzutage auch wesentlich mehr Aufmerksamkeit durch regelmäßige CL-Spiele, als durch Länderspiele.
Was mich bei Rafinha immer irritiert ist der Punkt, das er für seine überragenden Fähigkeiten und seine (für Schalke) große Wichtigkeit verdammt wenig Offizielles heranschaufelt. Woran dieser Angebotsmangel wirklich liegt, das wüsste ich gerne.

Natürlich ist die CL mittlerweile die weitaus größere Bühne für Fußballer. Und dennoch ist das Prädikat "Brasilianischer Nationalspieler" noch einmal ein ganz dickes Pfund. Hört sich einfach geiler an, wenn man sagt "Der brasilianische Nationalverteidiger Rafinha" als "Der Defensivmann, der auch schon eine Saison CL gespielt hat."

Übrigens kündigt Müller gerade im kicker "drastische Strafen" für Rafinha an. Es handele sich schließlich um einen Fall, der beispiellos sei und er wolle sich eingehend mit Peter Peters beraten, wie man nun vorgehen will. (Auspeitschen? Mit Betonschuhen in der Emscher versenken? Stubenarrest? Ein halbes Jahr lang den Müll rausbringen? Netzteil von der X-Box wegnehmen???) Auf mich wirkt Müllers Säbelrasseln eher verzweifelt. Der Manager hat hoch gepokert, hatte sicherlich auch das Recht auf seiner Seite, kann jetzt aber nicht mehr als die beleidigte, wutschäumende Leberwurst geben. Die einzige Strafe, die Rafinha wirklich weh tun würde, wäre eine zweijährige Verbannung auf die Tribüne. Das hört sich martialisch an, ist letztendlich aus finanziellen Gründen aber nicht machbar. Bei Özil hatte die "Verbannung auf die Tribüne bis zum Vertragsende" gerade mal ein paar Tage gedauert - dann hatte der Spieler seinen Willen.
scorer (Gast) schrieb am 21. Juli 2008, 23:31 :

Nix wird so heiß gegessen...

Ich habe mich, wie wohl viele andere Königsblaue auch, darüber geärgert, daß die Leitung des FC Schalke 04 sich nicht in der Lage sah, Rafinha für die O.S. freizustellen. Ich wüßte kaum ein substantielles Argument dagegen.
Weggegrätscht werden kann er bei jedem Vorbereitungsspiel gegen einen übermotivierten, sechstklassigen Gegner mit höherer Wahrscheinlichkeit als bei einem olympischen Turnier werden; außerdem haben wir ja unlängst bei unserem Stammtorhüter gesehen, daß es keineswegs der gegnerischen Einwirkung bedarf, um einen Spieler aus dem Geschehen zu nehmen.
Wenn die Schalker CL-Quali an Rafinha hängen und womöglich scheitern sollte, dann ist die Einkaufspolitik der vergangenen Jahre schärfstens zu hinterfragen, nicht aber die Abwesenheit eines Spielers, der zwar recht gute Leistungen abliefert, aber von seiner Bedeutung her nicht mit einem wirklichen Lenker und Denker in der Mannschaft verwechselt werden darf.

Da ich nun angenommen habe, daß Andreas Müller diese Tatsachen mindestens ebenso deutlich vor Augen stehen hat, wie meine Wenigkeit, konnte es also nur die "Solidarität" mit anderen Vereinen sein, die das kompromißlose "Nein" aus der Führungsetage hervorgerufen hat. Welcher Ausweg aber bleibt, wenn man einerseits den Spieler eigentlich gar nicht an der Olympia-Teilnahme hindern möchte, andererseits aber keinen Präzendenzfall schaffen will? Man läßt ihn über Paris nach Peking fliegen und droht gleichzeitig medienwirksam mit allen verfügbaren moralischen Zeigefingern hinter ihm her. Nach Rückkehr, wenn Schalke die Quali in der Tasche und Rafinha die Medaille um den Hals hat, dann noch eine symbolische Strafe, etwa allen Ordnern beim nächsten Heimspiel nach getaner Arbeit ein Bier ausgeben zu müssen, und dann ist die Sache erledigt - und vielleicht ja auch wirklich der Marktwert ein wenig gesteigert.

Auf der Suche nach Aneichen für diese Haltung fiel mein trüber Blick auf einen Beitrag des "kicker" zum "Fall Rafinha", in dem Folgendes zu lesen steht:
"Bundesliga-Anwalt Christoph Schickhardt stellte in diesem Zusammenhang am Montag fest: "Arbeitsrechtlich ist die Sache klar. Der Spieler muss an seinem Arbeitsplatz erscheinen. Wenn nicht, kann er fristlos gekündigt werden." Unter Umständen werde Rafinha "zuvor noch eine Abmahnung erhalten" - so könnte ihm der Ernst der Lage verdeutlich werden."
Genau damit habe ich gerechnet - eine Abmahnung! Bei weitem das Schlimmste, was man einem Berufsfußballspieler höherer Klassen antun kann. Da zweifelt man ja, ob er sich von dieser machtvollen "adhortatio" jemals wird erholen können! Womöglich verfällt der kleine Brasilianer ja in Trübsinn und Depression bei dem Gedanken, daß der dicke Onkel Schnusenberg ihn für eine Weile vielleicht nicht mehr so lieb hat, wie vorher!

Ich glaube, wir dürfen getrost davon ausgehen, daß die Angelegenheit sehr dezent im Sande verlaufen wird, und über die Depression wird schon der Metaltrainer hinweghelfen, da bin ich mir sicher.

Für mich hört es sich gerade so an,

als ob der Verein den schwarzen Peter zugeschoben bekommt. Das verstehe ich nicht.

Herr Wieland hat es oben kurz skizziert, ursprünglich stand Rafinhas Olympiastart nichts im Wege, bis aus gewissen Gründen dies wieder zurückgezogen wurde.
Ergo darf Rafinha nun die seinerseits beleidigte Leberwurst spielen und seinen Vertrag de facto nicht einhalten? Kanns ja nicht sein.
Damit bringt er alle Beteiligten in eine Situation, die unlösbar ist. Sich, weil er nicht bei Olympia antreten darf, Schalke, weil sie den Spieler unmöglich ohne Verlust der Akzeptanz halten können und darüberhinaus noch finanzielle Einbußen machen werden.

Und wenn es kein substanzielles Argument gegen eine Olympiateilnahme gibt, wo ist dann eins dafür?
Bitte nicht erzählen, das sich der Spieler dann wohler fühlt und man ihm ein Bonbon geben wollte, damit seine Leistungen noch besser werden. Rafinha ist bei Schalke unter Vertrag und bei Schalke steht die Bundesliga auf dem Proramm, nicht Olympia.
scorer (Gast) schrieb am 22. Juli 2008, 10:16 :

Auch, wenn's von merkwürdiger Seite kommt...

...sehe ich die stärkste Unterstützung für Rafinha von Seiten der FIFA herrührend. Der Spieler ist am 07.09.1985 geboren, somit fraglos zu den U-23ern zählend, und damit gilt, was Du selbst, Kurt, über die Teilnahme von Spielern dieses Personenkreises aus dem Munde eines FIFA- Oberen zitiert hast.

Daß der Weltverband ein Riesenchaos angerichtet hat, mit dem Versuch, durch die U-23 plus-Regelung das olympische Fußballturnier zu erhalten, steht auf einem anderen Blatt. Die hierfür Verantwortlichen sollten wegen erwisener Dummheit in einem besonders schweren Fall geteert und gefedert werden; daß sich hingegen der Spieler die Variante heruassucht, die ihm am besten gefällt, ist nicht verwerflich. Nulla poena sine lege!
ckwon (Gast) schrieb am 22. Juli 2008, 13:18 :

Ersteinmal: Schön, wieder was von dir zu lesen, kurtspaeter!

Die FIFA gibt da echt ein erbärmliches Bild ab. Ein klares Ja oder Nein ein paar Monate vor dem Event hätte schon sein müssen.

Wäre es ein offizielles FIFA-Turnier könnten die Vereine zwar betteln, aber der Spieler könnte sich entscheiden. Ich kann ja verstehen, dass Rafinha dahin will, aber wenn man einen Vertrag unterschreibt, dann hat man sich auch dran zu halten. So einfach ist das.

Bin mal gespannt, ob die Anmerkung der DFL zum Theme Sperren nur ne Drohkulisse war, oder ob die da wirklich nen EInfluss drauf haben können. Glaube aber eher ersteres.

sternburg (Gast) schrieb am 22. Juli 2008, 16:36 :

btw: schön wieder von Dir zu lesen.

Na, das hat doch einen gewissen Witz!

Nachdem Schalke von einem Anwalt feststellen ließ, dass Rafinha mit dem Schwänzen des Trainingslagers einen Vertragsbruch beging, konnt Schalke nun mit der olympischen „Ethic Charta“ um die Ecke: Diese besagt (lt. kicker), dass Spieler, die einen Vertragsbruch begangen haben, nicht an den Spielen teilnehmen dürfen.

Jetzt kann ich schon fast drüber lachen.

Nicht zum lachen, nur konsequent

Nö, finde ich nicht zum lachen, ist seit Tagen sogar das erste gescheite Wort, was ich aus Gelsenkirchen bzw. Stegersbach höre.

IOC-Chef Rogge, der mit dem weltweit organisierten Männerfußball mal partout überhaupt nichts zu tun hat (außer dass alle vier Jahre ein Turnierchen mit äußerst fragwürdigen Qualifikationskriterien unter seiner Obhut stattfindet) faselt seit Tagen etwas von olympischer Idee, olympischer Bewegung, olympischer Ehre etc. und begründet damit, dass die Clubs ihre Millionenstars zur Belustigung seiner Sponsoren freigeben sollen. Rogge macht seit Wochen einen auf "gutes Gewissen des Sports" und setzt sich auf ein moralisch ziemlich hohes Ross. Es ist von Müller geradezu genial, Rogge nun genau bei den schwammigen Richtlinien des IOC zu packen, auf die er sich so gerne bezieht.

Dass auf Rafinha und auch Diego ein erheblicher Druck von Seiten des CBF lastete steht inzwischen ja außer Frage und es macht Rafinhas Aktion in meinen Augen nur verständlicher. Jetzt warten wir mal ab, was das CAS entscheidet und daran muss man sich irgendwie auch halten. Bremens Allofs ist sicherlich genau so stinksauer wie Müller, nur hat er jetzt eine klare Ansage gemacht wohingegen auf Schalke immer noch von der größtmöglichen Bestrafung phantasiert wird.

Übrigens sind die ganzen A-Mannschaft-Stars aus Spanien, mit denen Rafinha so gerne spielen wollte (und vom geködert CBF wurde) nun urplötzlich verletzt. Sachen gibt's...
Rob (Gast) schrieb am 23. Juli 2008, 11:31 :

Diego hat seine Abreise damit begründet dass es keine SCHRIFTLICHE Position der FIFA gibt und das scheint zu stimmen. Der Spieler hält sich dann lieber an die Regeln die ihm bekannt sind und nicht an das was vielleicht in einem Telefongespräch zwischen DFL und FIFA gesagt wurde. Kann ich irgendwo nachvollziehen dass es sich die Spieler nicht mit dem brasillianischen Verband verscherzen wollen. Ist halt sehr schwer da mal in die Mannschaft zu kommen.
Die Schuld für diese ganze Sch****e die jetzt stattfindet hat eindeutig die FIFA! Und auch wenn das vielleicht unrealistisch ist, vom Gefühl her würde ich eher die FIFA auf Schadensersatz verklagen wollen als auf die Spieler draufzuhauen. Die Weigerung eines Verbandes seinen Vereinen schriftlich mitzuteilen ob sie ihre Spieler abstellen müssen und das über Monate hinweg ... ich kann es immer noch nicht fassen.

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Kommentare & Antworten

Lucio
da Lucio findet imma den richtigen Zeitpunkt zum abspiela
ch (Gast) - 10. August, 21:47
Na also: noch ein...
...alter Bekannter ;)
berka - 1. August, 13:04
Alte Bekannte
Schön erklärt, danke. Noch ein paar bekannte...
berka - 1. August, 09:12
Notlagen?
fällt mir jetzt erst auf: habt Ihr die im Stadion...
berka - 30. Juli, 14:00
Ich weiss schon warum...
Ich weiss schon warum ich im Stadion keine Getränke...
Jan! (Gast) - 30. Juli, 13:01
siehste
deswegen wird's wahrscheinlich exportiert
berka - 30. Juli, 08:50
Wir warten gespannt
...auf den ersten, der Veltin's schreibt.
Trainer Baade (Gast) - 29. Juli, 23:27
@ Stefan: Ja, bei Miller’s...
@ Stefan: Ja, bei Miller’s würde ich auch...
Herr Wieland - 29. Juli, 17:12

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Der Spielmacher

Stets ein wunderbarer Quell der Wirrnis ist der Begriff des Spielmachers oder gar der Spielmacher-Position. Der Mann mit der legendären Nummer 10 war einst Halbstürmer und wurde später ins Mittelfeld zurückgezogen, wo er aber mehr wurde als ein zentraler Mittelfeldspieler. Dieser Spieler in der Mitte des Feldes, ob vorgeschoben oder zurückgezogen, sollte von seinen Mitspielern häufiger angespielt werden und dann genialisch das Angriffsspiel bedienen. Das wurde noch mit der Phantasie kurzgeschlossen, ein solchermaßen kreativer Mensch könne nicht auch noch schwer arbeiten, weshalb man ihm einen Helfer, den sogenannten Wasserträger, beistellen müsse. Einen solche Spielmacherposition gibt es heute nicht mehr, trotzdem ist die Suche nach dem Spielmacher nicht beendet. Im Zweifelsfall wird der Kopf einer Mannschaft, wie Zinedine Zidane beim französischen Weltmeister 1998, einfach zum Spielmacher erklärt.
Biermann/Fuchs

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